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Wie geht das eigentlich mit der Solidarität?

Dieser Blog Beitrag unseres Teammitglieds Sabrina Meissel ist ein persönlicher Einblick in ihre und unsere letzten drei verrückten Wochen. Auch, wie wir als Team bei Unity Effect damit umgehen: “Wir haben bei Unity Effect einige Tools in unseren Alltag eingebaut, die uns dabei helfen das zwischenmenschliche Level mit einzubeziehen. Wir erinnern uns immer wieder daran Pausen zu machen und durchzuatmen”. 

Es sind verrückte und heftige Zeiten gerade. Ich habe das Corona Virus zwar schon im Februar ernst genommen, aber dass es solche drastischen Auswirkungen hat, damit habe auch ich nicht gerechnet. Die Nachrichten sind nur noch voll Corona Informationen, mir wird vorgeschrieben wo und mit wie vielen ich wohin gehen darf. Ich laufe an leeren Supermarktregalen vorbei, im Netz kursieren zu Hauf Bilder und Witze über Klopapier und Hamster oder Bilder der leeren Regale. Wir reden die ganze Zeit darüber wie wir uns jetzt organisieren, wie wir was planen, wie es weiter geht oder was als nächstes kommt. Aber kaum jemand redet darüber wie es uns damit geht und welche Gefühle das in uns auslöst.

Wir haben bei Unity Effect einige Tools in unseren Alltag eingebaut, die uns dabei helfen das zwischenmenschliche Level mit einzubeziehen. Wir erinnern uns immer wieder daran Pausen zu machen und durchzuatmen. In unseren Check-In-Runden vor Meetings ist Raum darüber zu reden, was uns gerade beschäftigt. Wir sprechen auf gemeinsamen Spaziergängen in kleinen oder großen Runden auch über persönliche Veränderungen und Auswirkungen. Wir nutzen immer wieder Listening Circles um einander gut zuzuhören, so dass gerade jetzt, wo sich jeden Tag wieder alles ändern kann und viel Unruhe herrscht, Raum für Wohlbefinden ist. Das hilft mir sehr mit der Unsicherheit umzugehen.

Unsere tägliche Check-in Runde

Es ist keine Frage, dass gerade die Einschränkung unseres Kultur- und Gemeinschaftslebens viel mit uns macht. Unser aller Bedürfnis nach Freiheit, Autonomie, Selbstbestimmtheit und Gemeinschaft ist dadurch stark eingeschränkt. Dies sind alles existenzielle Bedürfnisse, die unbeachtet große Ängste auslösen können. Dies führt dann wiederum zu Hamsterkäufen und leeren Regalen, die uns eine vermeintliche Knappheit an Lebensmittel widerspiegeln, die dann wiederum noch mehr Ängste und Unsicherheiten auslöst.

Wie gehe ich selbst also nun damit um? Mach ich mit? Wie bereite ich mich vor? Wie kann ich für meinen Schutz sorgen und für das Wohlergehen der Menschen, die gefährdet und mir wichtig sind? Ich selbst bin verunsichert und spüre eine Angst in mir. Kann sie aber auch irgendwie nicht genau zuordnen. Ich weiß tatsächlich nicht was Morgen passieren wird und erst recht nicht Übermorgen. Kann ich meine Familie und Freunde dann noch besuchen fahren oder eher nicht? Und wie verhalte ich mich jetzt? 

Wenn ich dann all die humoristischen Bilder und Filmchen  über die Situation sehe, hilft mir das nicht. Ich kann zwar kurz darüber lachen und es vielleicht auch auf die Schippe nehmen, aber die Unsicherheit bleibt doch bestehen, weil so wirklich habe ich noch nicht mitteilen können, dass ich mir Sorgen mache. Ich habe keine Panik, aber bin doch beunruhigt.

Fotografie: Paulina Andrade S.

Wie mache ich das eigentlich? 

Jetzt reden alle über Solidarität, Verständnis und Zusammenhalt. Aber wie mache ich das eigentlich? In mir hab ich dieses Gefühl von Angst und irgendwie muss ich trotzdem stark sein und an alle denken. Andere sitzen jetzt noch draußen, während ich schon zuhause bleibe und mich isoliere. Da fühle auch ich mich veräppelt.

Was wünsche ich mir also gerade? Ich wünsche mir, dass wir uns hinsetzen und auch bei dem ganzen Trubel tief durchatmen, ein kurze Pause machen und über unsere Gefühle nachdenken und reden. Ich wünsche mir, dass allen klar ist, dass es ok ist in dieser Situation Angst zu haben – Dass es ok ist, sich in dieser Situation unsicher zu fühlen. Wir können aber trotzdem jeden Tag entscheiden, wie wir jetzt handeln wollen um gerade die, die es lebensgefährlich treffen könnte zu schützen. 

Bei Unity Effect sind wir dabei alles zu tun um weiterhin die Verbindungen zwischen uns auch ohne persönlichen Kontakt Aufrecht zu erhalten. Wir bieten kostenlose Webinare zum Thema Digital Facilitation an und arbeiten selbst alle von zuhause. Gerade jetzt ist es uns wichtig kollektiv zu denken. Wir haben viele Möglichkeiten auch Online zu sprechen und weiter effektiv zusammenzuarbeiten. Wir bieten dabei wo es geht unsere Unterstützung an und möchten so unseren Teil dazu beizutragen die Lage sowohl zwischenmenschlich, als auch wirtschaftlich zu entspannen.

Ich wünsche mir, dass wir gerade jetzt teilen was wir haben. Anfangen können wir mit unseren Gefühlen und Bedürfnissen. Teilen wir nämlich unsere Gefühle, entsteht mehr Verständnis für die Handlungen anderer Menschen. Vielleicht verstehen wir dann auch, warum zum Beispiel unser Nachbar gerade nicht mehr grüßt oder er im Supermarkt einfach an uns vorbei gerannt ist. Vielleicht ist er einfach gestresst, weil es seiner Frau gerade überhaupt nicht gut geht und sie zuhause sein muss und er weiß einfach nicht genau was er machen soll. 

Fragt Euer Gegenüber wie er sich fühlt und was er braucht, denn das schafft emotionale Nähe und Sicherheit. Und das geht immer, ob am Telefon oder über Video-Telefonie oder mit 2 Metern Abstand draußen auf der Straße oder über die Balkone hinweg. Vielleicht können wir uns so im kleinen Rahmen gegenseitig die Sicherheit geben, die es eben gerade von Außen nicht gibt. 

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